Artur Grigorian – Das Interview

Ein Beitrag von Alexandra Kostenko:

Artur Grigorian, ein Mann, ein Tainer, eine Legende

Eine Woche vor dem siebten WM-Titelkampf von Ruslan Chagaev habe ich auch seinen Trainer Artur Grigorian zum Gespräch getroffen und interessante Informationen für angehende Boxer bekommen.

Alexandra: Haben Sie den Wunsch, einfach alles zum Teufel zu schicken und etwas vollkommen Neues zu beginnen? Um es präzise auszudrücken, gemeint ist das Boxen

Artur: Niemals! Nein, nie. Wie schwer es auch sein mag, ich liebe das Boxen, verstehe und kenne es. Aus diesem Grund werde ich auch nur diese Arbeit weiterführen.

Alexandra: Haben Sie für uns die Top 5 der effektivsten Taktiken im Boxen oder Tipps, Methoden und Geheimnisse?

Artur: Oh, dann erzähl ich einfach drauf los und sage: Finten, Beinarbeit und die Bewegung des Körpers. Viele haben ein Gefühl für Ihren Körper, aber manchmal muss man die Beine und den Oberkörper (vom Bauchnabel an aufwärts) separat voneinander fühlen.

Alexandra: Meinen Sie damit, dass beide Teile des Körpers jeweils ein Eigenleben führen?

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Artur: Ja, der Boxer sollte in der Lage sein, mit den Füßen getrennt vom restlichen Körper zu arbeiten, zu gehen und zu springen. So kann man das fachmännisch ausdrücken. Der Körper selbst muss anders arbeiten, damit der Gegner dich nicht beobachten kann. Wenn sich also etwas Ganzes bewegt, nach vorn oder hinten, ist dies auffällig und kann leicht gesehen werden, wodurch man seinen Gegner beobachten kann. Die Füße arbeiten für sich selbst, während der Körper sich nach links oder rechts dreht. So können nur sehr wenige Boxer deine Bewegungen vorausahnen und dementsprechend reagieren. Daher finde ich, dass eine der wichtigsten Aufgabenbeim Boxen die Beinarbeit ist. Das A und O sozusagen. Im Russischen gibt es ein gutes Sprichwort: “Die Beine füttern den Wolf“, was vergleichbar ist mit dem deutschen Sprichwort: „Einem schlafenden Wolf läuft kein Schaf ins Maul“.

Die Beinarbeit ist früher oder später entscheidend. Selbst beim größten Kämpfer würde ich diesen einfach mit den Beinen hinhalten. Nicht zulassen, dass man getroffen wird, wie Holyfield es einst mit Mike Tyson gemacht hat. Es gibt einfach für jede Taktik eine Gegentaktik. Dafür muss man speziell daran arbeiten, das ist eine Herausforderung für den Trainer. Mit Willen und Übung wird man seine Ziele erreichen. Später wird es leichter zu meistern, was während des Kampfes passiert. Ich selbst hab viel Erfahrung, wobei dieses erworben wurde in der Vorbereitungszeit für Kämpfe.

Alexandra: Ist es schwer einen Champion wie Ruslan Chagaev auf seinen bevorstehenden Kampf vorzubereiten?

Artur: Immer, immer. Jeder Kampf ist eine neue Aufgabe, an der man immer weiter wächst. Je weiter es geht, desto schwieriger wird es. In jeder Hinsicht, sowohl psychologisch als auch von meiner Einstellung und der des Boxers über die Kampfführung. Ich bereite ihn jetzt anders vor als das letzte Mal oder das mal davor. Es gibt jetzt aber einen großen Unterschied. Wir haben jetzt Gott sei Dank einen weiteren Trainer. Er ist Kubaner, der in Miami (USA), lebt. Sein Name ist Pedro Diaz. Er ist ein Weltklasse Trainer. Ich kenne ihn noch aus dem Amateurboxen. Er hat schon mir und Ruslan im Ring gegenüber gestanden. Und jetzt arbeiten wir zusammen, wow, wer hätte das einmal gedacht.

Alexandra: Artur, Sie sind selbst eine Legende mit viel Erfahrung. Welche Emotionen durchleben Sie, wenn Ihr Schützling in den Ring steigt bzw. der Kampf im Gange ist?

Artur: Ich muss vollkommen selbstbeherrscht sein, denn ich darf den Kopf nicht verlieren! Ich meine es in dem Sinne, dass ich nicht die ganze Zeit rufe: „Na, komm schon…“ oder „Mach schon“. Wir sind keine Anfänger, denen man etwas in den Kopf bringen muss, weil wir keine Erfahrungen haben. Ruslan ist ein sehr erfahrener Boxer, sogar mit überwältigend viel Erfahrung. Er kennt alle Schritte wie ein Schachspieler. Er muss langsam wissen und fühlen, was im Kampf passiert und entsprechend reagieren und handeln können. Du musst bereit sein, auf alles eine Antwort zu haben. Hier passt ein weiteres gutes russisches Sprichwort: „Derjenige hat die stärkste Armee, dessen Verteidigung am besten ist“. Was Ruslans Vorbereitung zurzeit betrifft, gab es einiges an Arbeit, besonders an der Verteidigung. Außerdem beim Blocken, der Bein- und Körperarbeit, zu guter Letzt natürlich auch am Angriff. Daher denke ich, dass Ruslan zu allem bereit ist. Ich bin mir sehr sicher, er schafft es. Der Gegner ist zwar kein Geschenk, aber wir sind besser

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