Dimitri Sartison

 ­ „…Ich bin in der Blüte meines Lebens und  kann  noch einige Jahre gute Kämpfe liefern.“

 

 

Es ist ein schöner sonniger Vormittag in Hamburg. In einem Fitness und Wellness Spa treffe ich den Exweltmeister   der WBA im Supermittelgewicht, Dimitri Sartison. Er kommt gerade von seinem Training und ist sichtlich gut gelaunt, aber man merkt, dass er etwas aufgeregt ist, was ihn aber nur sympathischer macht.

Dimitri Sartison, Weltmeister der WBA im Supermittelgewicht, portrŠtiert am Dienstag (12.01.2010) im Gym von Universum Box-Promotion in Hamburg. Foto: Rolf Vennenbernd/filmograf

Wir bestellen uns einen Kaffee und ein angenehmes Gespräch nimmt seinen Anfang:

Alexandra: Dimitri kannst du dich mit zwei Worten einmal selbst Beschreiben?

Dimitri: Ich denke ich bin zielstrebig und diszipliniert, sowohl beim Sport als auch im Leben.

Alexandra: Wann hast du dich dazu entschieden Boxer zu werden?

Dimitri: Ich war schon immer sportlich und wollte mich in einem Verein sportlich betätigen. Da es an meinem damaligen Wohnort nur zwei Vereine zur Auswahl gab, Fußball oder Boxen, habe ich erst einmal mit Fußball angefangen. Fußball ist aber ein Mannschaftssport, bei dem jeder zum Erfolg oder Misserfolg beiträgt, also habe ich mich dann doch fürs Boxen entschieden, da es dort nur auf meine eigene Leistung ankommt. nach dem Boxtraining waren wir dann meistens dann noch Fußball spielen und so hab ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Eigentlich wollte ich damals Kickboxer werden, aber bei uns in der Gegend gab es das nicht (lacht).

Alexandra: Kannst du mir etwas von deinem größten Erfolg bzw. einem Misserfolg, der dich beeindruckt hat, berichten, sowohl privat als auch beim Sport?

Dimitri: Da fällt es mir schwer dir etwas zu nennen. Auf dem Weg zum älter werden ist jeder Augenblick entscheidend und alles was wir erlebt haben formt uns und jetzt einen aus Tausenden herauszupicken, wäre den anderen Augenblicken gegenüber ungerecht. Es ist die Summe, die uns ausmacht. Aber etwas was ich wohl nicht vergessen werde ist z.B. der gestrige Tag. Es ist nur ein kleines Beispiel aber eben solche Kleinigkeiten machen das Leben auch schön und lebenswert. Ich war bei einem Porsche Cup eingeladen. Ich konnte den ganzen Tag mit vielen verschiedenen Modellen schön Gas geben, wie ich wollte. Und da wurde bei mir sprichwörtlich das Kind im Manne geweckt und ich hab die Reifen quietschen lassen. Anschließend war ich so aufgeregt, dass ich heute Nacht nicht schlafen konnte. Und im Boxen ist es schwer ein Beispiel zu nennen, da jeder Kampf anders ist und man kann die Gegner nicht unbedingt miteinander vergleichen. Man bereitet sich auf jeden Kampf immer etwas anders vor, sowohl technisch als auch taktisch. man reift von Kampf zu Kampf und sammelt Erfahrungen. So wurden die Gegner immer Stärker und die Anzahl der Runden nahmen zu. Nur die Gagen bleiben gleich (lacht).

Alexandra: Hat dich ein verlorener Kampf schon einmal sehr geprägt?

Dimitri: Verlieren ist generell kein schönes Gefühl. Aber jetzt im Nachhinein und nach einer gewissen Zeit begreift man, dass das Verlieren zum Leben dazu gehört. Die verlorenen Kämpfe haben mir auch mehr gegeben, als meine 30 Siege.

Alexandra: Hast du eine eigene Devise oder ein Motto?

Dimitri: Ja, natürlich. Mein langjähriges Motto war niemals aufzugeben! Nicht nur beim Boxen, auch im Leben nicht. Auch wenn man kurz stolpert, einfach aufstehen und weitermachen. Noch mehr Mottos? Ich hab einen Haufen davon (lacht) und du brauchst nachher eine Extra Seite nur für die Mottos und Ratschläge.

Alexandra: Du hast schon viel in deiner professionellen Boxkarriere erreicht, hat dich der Erfolg verändert?

Dimitri: Ja klar. Jetzt bin ich abgehoben (lacht). Nein ich glaube es hängt von jedem Menschen selbst ab. Jeder reagiert anders auf Erfolg oder Änderungen im Leben. Das war für mich eine Erfahrung fürs Leben und ich hoffe bzw. denke, dass ich damit richtig umgegangen bin. Ob ich es nun wirklich richtig gemacht habe weiß ich nicht, dafür müsste man mal meine Freunde fragen.

Alexandra: Musstest du schon mal, während deiner Profi kariere, gegen deine eigenen Prinzipien handeln, gegen deine Überzeugungen?

Dimitri: Ja, natürlich. Das werde ich nicht verbergen. Damals im Club Universum bzw. im Boxen allgemein, war es so, dass man Geld nur für Kämpfe erhalten hat. Wir hatten kein monatliches Gehalt. Wir waren also irgendwo gezwungen jeden Kampf anzunehmen, gegen jeden Gegner zu Boxen, Hauptsache wir kriegen unser Geld. Es sollte so aussehen, als ob wir selbst immer Boxen wollten. Aber im Endeffekt mussten wir es machen um zu überleben.

Alexandra: Gibt es denn da eine Entscheidung, die man besonders bereut?

Dimitri: Sicherlich würde ich jetzt vieles anders machen. Ich musste auch mal verletzt bei meinen Kämpfen antreten. Aber aus dem Weg, den ich gegangen bin habe ich viel gelernt. Im Leben werden uns immer wieder Prüfungen gestellt, die wir meistern müssen und daraus lernen. So sehe ich meine Entscheidungen.

Alexandra: In jedem Bereich gibt es Wendepunkte. Welche waren deine?

Dimitri: Ein Wendepunkt ist ein Ereignis von dem man geprägt wird. Ein Wendepunkt hinterlässt einen Abdruck auf dem Charakter, der dadurch geformt wird.

Alexandra: Was waren denn für dich solche Ereignisse, die dich besonders geformt haben?

Dimitri: Also fangen wir mal an, jetzt brauchst du noch eine extra Seite (lacht). Es war z.B. der Tod meines Vaters, der Wechsel zum Profi und dann der Weltmeistertitel und das sind nur sehr große Eckpfeiler. Aber auch sehr viele Wechsel des Wohnortes. Alltägliche Ereignisse, die jeder Mensch halt kennt.

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Alexandra: Was stört dich ein ruhiges leben zu führen und was hilft dir dabei?

Dimitri: Ja, da gibt es in der Tat etwas, dass mich von einem ruhigen Leben abhält, so manche Reporter z.B. (lacht). Nein, ich bin soweit zufrieden. Ich bin gesund. Mir reicht das was ich verdiene zum Essen und ich hab einen Platz zum Schlafen. Mehr brauche ich nicht. Aber ohne meinen Sport wäre ich bestimmt unglücklich. (Sonst fällt mir spontan nichts ein.)

Alexandra: Hältst du dich in Form? Trainierst du regelmäßig?

Dimitri: Ich versuche so oft zum Training zu gehen, wie es mein Alttag erlaubt. Manchmal auch zweimal an einem Tag. Ich habe Spaß am Sport. Und weil ich immer im Training bin, bin ich sehr ausgeglichen.

Alexandra: Hast du einen Tipp, wie man seinen inneren „Schweinehund“ besiegen kann?

Dimitri: Es ist ja kein wunder, wenn viele sich nur schwer motivieren können, zum Sport zu gehen. Auch hier in meinen Sportstudio sehe ich es oft. Die Leute haben einfach keinen Spaß an der Sache. Man muss schon Spaß daran haben.

Alexandra: Warum trittst du nicht mehr auf?

Dimitri: Weil keiner gegen mich antritt. Ich habe Stieglitz und Abraham angeboten gegen mich zu Boxen, nur deren Manager wollten das nicht (lacht).

Alexandra: Wer wäre dein Wunschgegner?

Dimitri: Stieglitz oder Abraham. Aber andere können es auch gerne gegen mich versuchen.

Alexandra: Wie ist deine Meinung von der Boxwelt zur Zeit?

Dimitri: Die ist nicht ganz so gut. Ich denke es sollte eher weniger Boxveranstaltungen geben aber dafür qualitativ höhere Kämpfe. Aber die letzten ein bis zwei Jahre habe ich die Boxwelt nicht weiter mitverfolgt.

Alexandra: Arthur Abraham – Robert Stieglitz. Hast du eine Prognose?

Dimitri: Ich hab da keine Prognose Ich wünsche den beiden bzw. auch allen anderen nur das Beste.

Alexandra: Bist du mit Felix Sturm bekannt? Wenn ja, welche Perspektiven hat er?

Dimitri: Ja ich kenne ihn. Er ist ein starker Boxer und technisch ist er auch gut aufgestellt. Ich hoffe das er noch ein paar Chancen haben wird sich Titel zu holen und die Zuschauer weiterhin zu begeistern. Das wünsche ich Ihm. Aber ich bin kein Hellseher und weiß nicht was die Zukunft

bringt. Ohne meinen Anwalt sage ich nichts (lacht).

Alexandra: Welche allgemeine Einschätzung hast du vom „Supermittelgewicht“?

Dimitri: Da ich es länger nicht richtig verfolgt habe weiß ich nicht, was zur Zeit passiert in Sachen Boxen. Aber es gibt in Hamburg einen Boxer, im Supermittelgewicht, der für Kämpfe bereit ist. Wenn jemand also gute Kämpfe sehen möchte, soll er ihn anrufen.

Alexandra: Sitzt er gerade vor mir?

Dimitri: Ja, natürlich sitzt er dir gegenüber. Also ich bin in der Blüte meines Lebens und kann noch einige Jahre gute Kämpfe liefern.

Alexandra: Was für Pläne oder Ziele für die Zukunft hast du, auch im Bezug auf den Ring?

Dimitri: Ich kann noch einige Jahre gute Kämpfe abliefern und würde das auch gerne tun. Und wenn Stieglitz oder Abraham einverstanden sind, gegen mich anzutreten, können wir es auch gleich dieses Wochenende machen (lacht).

Alexandra: Was ist dein Traum?

Dimitri: Ich versuche einen eigenen kleinen Gym aufzumachen, keine Box schule oder ähnliches. Das macht mir Spaß und ich animiere die Leute gerne zum Sport. Es soll etwas für groß und klein werden, denn es ist nie zu spät anzufangen. Und natürlich hab ich noch ein oder zwei Ziele, die ich nebenbei verfolge aber davon erzähl ich, wenn es soweit ist. Außerdem bin ich kein Freund vom Sprüche klopfen. Es war ein sehr angenehmes und witziges Interview mit Dimitri Sartison. Er hat es verstanden geschickt bei ernsten Fragen mit Humor auszuweichen. Er hat einen sympathischen Eindruck gemacht. Nun bleibt es abzuwarten, ob er noch einmal auftreten wird. Zur Zeit wird er von der Promotion Agentur ITS vertreten, dessen Promoter Wjatscheslaw Tschibisow, großes Vertrauen in ihn und seine Fähigkeiten setzt.

Sartison_Nievas

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